Zucker kann auch aggressiv machen

Zucker kann auch aggressiv machen

1. November 2020 by Prof. Dr. Martin0
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Wenn jemand vor Wut schäumt, bekommt er manchmal den Ratschlag ein „Zückerchen“ zu nehmen, denn Zucker beruhigt angeblich das Gemüt. Der übliche Haushaltszucker, aber der aus Maissirup enzymatisch hergestellte sogenannte „High Fructose Corn Syrup“ enthalten neben Traubenzucker auch Fruchtzucker. Diese Nahrungsmittel werden angeschuldigt für das steigende Gewicht und viel dadurch bedingte Erkrankungen verantwortlich zu sein. Doch beruhigt Zucker wirklich das Gemüt?

Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit kommt zu einer völlig gegenteiligen Einschätzung. Forscher der Universität von Colorado vermuten, dass Zucker psychische Erkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizite aber aggressives Verhalten bei genetisch belasteten Personen fördern kann. Sie gehen davon aus, dass speziell der Fruchtzucker in den Körperzellen vergleichbar Hunger wirkt, für den impulsives Verhalten, schnelle Entscheidungen und Aggressivität bekannt ist. Diese Reaktionen waren in der Evolution der Menschheit sehr wichtig, um bei der Nahrungssuche erfolgreich zu sein.

Vielleicht ist der in den letzten Jahren dramatisch angestiegene Konsum von Zucker nicht nur für Fettsucht, sondern auch für die zunehmenden weltweiten Spannungen verantwortlich. Zucker ist scheint kein Beruhigungsmittel zu sein, sondern kann auch aggressiv machen.

Johnson RJ, Wilson WL, Bland ST, Lanaspa MA, Fructose and uric acid as drivers of a hyperactive foraging response: A clue to behavioral disorders associated with impulsivity or mania?        Evolution and Human Behavior. https://doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2020.09.006

Prof. Dr. Martin

Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) in Düsseldorf


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