Gehirn wegfressen

Gehirn wegfressen

4. Oktober 2019 by Prof. Dr. Martin0
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Wenn jemand mit einem exzessiven Alkoholkonsum ein komisches Verhalten zeigt, spricht man gerne davon, dass er sein „Gehirn wohl versoffen hat“. Bisher ist aber unklar, ob Gehirnzellen durch Alkohol wirklich zerstört werden oder ob bei Alkoholikern eine Mangelernährung zu Hirnschäden führt. Gibt es aber auch andere Lebensstilfaktoren, mit denen man die Hirnleistung nachhaltig schädigen kann?

Dieser Frage haben sich nun zwei australische Wissenschaftler gewidmet. In einer umfangreichen Übersichtsarbeit der aktuellen wissenschaftlichen Literatur kommen sie zu dem Schluss, dass bestimmte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, aber auch Bluthochdruck, die durch einen ungünstigen Lebensstil ausgelöst werden, das Risiko von Demenz-Erkrankungen erhöhen. Ein unbehandelter Bluthochdruck im mittleren Alter erhöht das Risiko für eine Demenz Jahre später dramatisch. In der Übersichtsarbeit finden die Wissenschaftler aber auch Belege, dass eine ungünstige Ernährung auch ohne erhöhte Blutzucker- oder Blutdruckwerte Hirnleistungsstörungen auslösen kann. Während eine Fast-Food- bzw. eine kalorienreiche Ernährung das Demenzrisiko steigern, scheint sich eine mediterrane Ernährung schützend auszuwirken.

Diese Daten legen nahe, dass man sein Gehirn wohl auch „wegfressen“ kann.

 

Cherbuin N, Walsh EI. Sugar in mind: Untangling a sweet and sour relationship beyond type 2 diabetes. Front Neuroendocrinol. 2019 Jul;54:100769. doi: 10.1016/j.yfrne.2019.100769.

Prof. Dr. Martin

Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) in Düsseldorf


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